Die Tricks der Optiker

Zum Stern-Artikel vom 25.07.2013, Heft Nr. 31;

 

1 Tag nach Erscheinen des Stern rief mich die Autorin Frau Silke Gronwald an.

Sie bat um Entschuldigung für die Aufmachung und den Titel, aber wörtlich:

"Die Wahrheit ( lt. Redaktion !!!) richte sich eben nach der zu erwartenden Verkaufsauflage und nach den zukünftig dadurch zu erwartenden Anzeigenschaltungen."

Wenn Sie jetzt schon begriffen haben, woher diese sogenannte Wahrheit des Stern kommt, brauchen Sie nicht weiter zu lesen......("Enthüllungen" nach Gutsherrn-Art, oder Willkür..... ? ist für mich die Frage.)

Gut. Die "Hitler-Tagebücher" wurden ja auch von Stern verfasst -pardon- veröffentlicht.. ;-)

 

Fakt ist:

• Die getätigten Stern-Aussagen sind fachlich in überwiegender Mehrheit falsch und entsprechen auch nicht meiner Ansicht. Dazu wurde ich gar nicht befragt!

• Die Nennung meiner Person (des vereidigten Sachverständigen) erweckt beim Leser den Eindruck, daß ich den Aussagen der Autorin inhaltlich zustimmen würde oder zugestimmt hätte. Das ist grundsätzlich falsch. Dazu wurde ich auch nicht befragt.

• Ich distanziere mich mit Nachdruck von diesen Darlegungen und glauben Sie bitte nicht, daß dieser Artikel in grundlegenden Dingen dem Wissensstand eines vereidigten Sachverständigen -auch nur im Ansatz- entsprechen würde.

• Ich habe den Artikel weder geschrieben, noch gehe ich mit den meisten Aussagen hierin konform.

• Ich hatte ferner keine Kenntnis über den Beitragstitel, dessen Inhalt oder der Aufmachung.

Ich hatte/habe aber (immer noch) die schriftliche Zusicherung der Autorin, den Artikel vorher zu lesen und ggf. Korrekturen durchzuführen. Gerne stelle ich jedem Anfragendem diese Mail zur Verfügung.

"Liebe" Frau Silke Gronwald: Alle (!) unsere EMails sind gespeichert.....

Deswegen wurde Ihre Fragen auch nur per Mail beantwortet.

• U.a.: Die "Anleitung zum Feilschen" als "So läuft´s beim Optiker" tituliert

entstammt der freien Erfindung der Autorin in jedweder Hinsicht.

 

Ich lege äussersten Wert auf die Tatsache, daß ich nur zu Teilaspekten befragt wurde und diese auch noch mehrheitlich nicht (!) übernommen wurden. Zu ca. 90% der sog. "Darlegungen" wurde ich überhaupt nicht befragt.

 

Nicht nur "einigen" Darstellungen im Artikel des Stern darf ich hiermit die Grundlage entziehen:

Preisgestaltung in der Augenoptik

Einige sehr wenige "schwarze Schafe" arbeiten in der Branche mit extremen Roherträgen. Da die Kunden dieses aber bemerken, halten sich diese Firmen i.d.R. nicht lange am Markt. Fast alle der mir bekannten Kolleginnen und Kollegen in der Branche kalkulieren sorgsam, sodass i.d.R. der Verdienst an einer Brille ca. 7-15% beträgt. Das ist übrigens eine normale Handwerks- kalkulation, sodass hohe Rabatte nicht gewährt werden können.

Link  Eine Erklärung zu hohen Nachlässen: "Sonderangebot #1" Link

 

Sicherlich ist es auflagensteigernd,

wenn den Lesern "deutliche Kosteneinsparungen" angedeutet bzw. versprochen werden. "So zahlen Sie nicht zuviel !" wird propagiert, allerdings wird diese Ankündigung nicht eingehalten. Die "Tipps" des Stern sind für den Kunden -meiner Meinung nach-: Wertlos !

Eine Brille besteht nicht nur aus 2 Gläsern und einer Fassung:

Die eigentliche Ermittlung des tatsächlichen Kundenbedarfs -zur Wiederherstellung optimalen Sehens- ist für den korrekt arbeitenden Augenoptiker das Instrument erster Wahl.

Link Der Vergleich: "Das Individualverfahren in Gegensatz zum Standardverfahren " Link

 

"Sinnlose Extras" wie Lotus-Beschichtung ?

Lotusbeschichtungen sind im Gegensatz zur Angabe im Artikel sogar sehr sinnvoll !

Der Laie ist vielfach der Ansicht, daß man die Brille aber nun nicht mehr putzen müsse. Das ist zwar falsch, aber: Da Fette und Wasser jetzt sehr schlecht -wenn überhaupt- auf den Brillenlinsen haften, entfällt der "schmierige" Belag und die Brillenlinsen lassen sich ganz einfach reinigen. ("Schon 3x geputzt und immer noch nicht sauber..." entfällt.)

Sinnvoll ist ggf. auch eine Selbstönung der Brillengläser: Falls der Kunde dieses infolge seiner Lichtempfindlichkeit braucht.

 

Vollentspiegelung nur für nächtliches Autofahren ?

Optimaler "Blendschutz" -eigentlich 86%ige Restreflexminderung, für brilliantklares Sehen- wirkt sich übrigens nicht nur Nachts, sondern selbstredend auch tagsüber äusserst positiv aus.

 

Preisnachlass durch Vorlage eines Internet-Shop-Angebots ? .....werden Sie wohl kaum erhalten (können)

Der regulär arbeitende Augenoptiker nennt Ihnen gleich den richtigen Preis. Richtig ist auch, daß Sie Internet-Angebote überhaupt nicht mit denen Ihres Augenoptikers vor Ort vergleichen können. (Der Autorin habe ich dieses übrigens mitgeteilt.)

Ein Hintergrund als Beispiel: Es gibt in der Fertigung von Brillengläsern (heissen eigentlich Brillenlinsen) u.a. unterschiedliche Schleiftechniken. Sowohl bei Einstärkenlinsen und Mehrstärkenlinsen (Gleitsicht). Je nach Aufwand können Sie in den Randbereichen z.B. brilliant scharf oder eben nur undeutlich Sehen.

 

Was hat man Ihnen jeweils nun genau angeboten ?

Letztendlich können Sie nur den Preis vergleichen, aber nicht die Leistung. "Alle kochen nur mit Wasser": Rabatt auf höherwertige Brillen infolge eines zu diesem -nicht vergleichbaren- anderen Produkts dürfte -hiermit begründet- nicht zu realisieren sein.

Sagen wir -ganz salopp- mal so: Der "Tipp" des Stern, bei Ihrem Augenoptiker einen Rabatt infolge eines Internet-Angebot aushandeln zu können (bzw. dieses zu versuchen), wird von mir schlichtweg als "Humbug aus Hamburg" bezeichnet.

Das zu versuchen wäre für den seriös arbeitenden Optiker in etwa wie folgt vergleichbar:

Gehen Sie mal zum Bäcker und fragen nach dem Preis für ein Kilo Weissbrot. Dann versuchen Sie einen Preisnachlass zu erhalten, weil 1 kg Weissmehl im Supermarkt deutlich weniger kostet.........

Sie verstehen was ich meine ? Prima, denn: Ich mache seit Jahren bundesweit ortsübliche Preisermittlungen und Leistungsvergleiche identischer Produktanfertigungen, als vereidigter Sachverständiger unterliege ich jedoch der absoluten Schweigepflicht.

Aber eines kann ich Ihnen versichern:

Bestenfalls erzeugen Sie beim Optiker Ihres Vertrauens mit diesem "Stern-Tipp" nur einen Heiterkeitsanfall, aber eigentlich machen Sie sich im Fachgeschäft damit nur ziemlich....lächerlich.

 

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