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Zu 3: Der "Unsinn" mit dem Wiederbeschaffungs-Rythmus (den es gar nicht gibt)

Sehr häufig findet man in Gutachten zur Zeitwertermittlung einer Brille ein sach- und fachlich nicht nachvollziehbares Argument: Immer wieder wird ein sogenannter Wiederbeschaffungsrythmus aufgeführt, anhand dessen der "Wert" einer Brille einfach nach der Zeit heruntergerechnet wird.

So z.B.: "Der durchschnittliche Wiederbeschaffungsrythmus für diese Art Brille beträgt 3,6 Jahre, somit hat die Brille nach 1,8 Jahren nur noch 50% des Wertes....".

• DIESE BEHAUPTUNG IST GRUNDSÄTZLICH FALSCH ! •

Es lässt sich leicht nachvollziehen, daß z.B. eine Brille die 4 Jahre in der Schublade als griffbereite Ersatzbrille lag -und deren Stärken noch zu 100% korrekt sind- für den Inhaber noch vollumfänglich nutzbar ist. Ein Zeitwert von 0,00 € nach Ablauf von 3,6 Jahren kann da nicht richtig sein.

Auch ein geringer Restwert (als "Kulanz"-Restwert meist tituliert) spiegelt den Nutzen dieser Brille für den Träger nicht wieder.

 

Auch wenn dieses exakt ermittelt werden könnte, so stellen sich immer noch die Fragen:

  • Wäre dieses denn bei Ihnen persönlich auch der Fall gewesen ?

  • Kaufen Sie wirklich auf den Tag genau alle X,XX - Jahre eine neue Brille ???

 

Es sei an dieser Stelle mit Nachdruck darauf hingewiesen:

  • Explizit gibt es KEINE (!) spezielle Untersuchungen über die Wiederbeschaffung von unterschiedlichen Arten von Brillen (Sonnenbrille, Kinderbrille, Fernbrille, Lesebrille, Gleitsichtbrille, Bildschirmarbeitsplatzbrille usw.), sodaß eine Zeit-Angabe hierzu eine reine Vermutung/Schätzung und keine gesicherte (geschweige denn eine seriöse) Erkenntnis ist.

  • Die letzte Untersuchung über den Wiederbeschaffungsrythmus von Brillen stammt aus dem Jahre 2002 bzw. 2008 (Allensbach) und basiert nur auf Schätzungen und subjektiven Erinnerungen der Befragten.

 

Als Nachweis zu den letzten Untersuchung/en von 2002 & 2008:

Der Auftraggeber der Untersuchung schrieb mir auf Anfrage hierzu folgendes:

 

Sehr geehrter Herr Hirt,
bezugnehmend auf Ihre Anfrage zum Wiederbeschaffungsrhythmus von Gleitsichtbrillen können wir Ihnen leider keine fundierten Angaben machen.Die Ergebnisse der 20. Allensbacher Untersuchung aus dem Jahr 2002 (dto. 2008) bezieht sich auf die Brillenanschaffungen allgemein (neue Fassung oder neue Gläser) nicht speziell auf Gleitsichtbrillen.

Allgemeine Aussagen der Studie sind folgende: Im Jahr der Befragung bzw. im Vorjahr haben sich 44 % der Brillenträger eine neue Brille oder neue Gläser angeschafft. Das sind etwa gleichviel wie in den Vorjahren ermittelt.

Die exakte Ermittlung des Wiederkaufrhythmus bereitet jedoch große methodische Schwierigkeiten. Dies würde voraussetzten, dass der Brillenträger sich sowohl an den Zeitraum der letzten als auch vorletzten Brillenanschaffung erinnert. Diese Leistung kann von den Befragten nicht abverlangt werden.

Allein 32 % der 60-jährigen oder älteren sagen, dass es sich bei ihrer Zeitangabe um eine Schätzung handelt.

Ich hoffe, dass wir Ihnen helfen konnten und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Kerstin Kruschinski
Projektmanagerin / PR-Referentin Consumer Optics

SPECTARIS. Deutscher Industrieverband für optische,
medizinische und mechatronische Technologien e.V.
Saarbrücker Straße 38, D-10405 Berlin
 

 

Letztendlich bleibt noch anzumerken, daß auch gerne andere "Informationsquellen" wie z.B. der Zentralverband der Augenoptiker in Düsseldorf genannt werden:

• Hierzu sei gesagt, daß sich dieser seit Jahren mit Nachdruck von derartigen Äusserungen distanziert.

• Es ist korrekt, daß vom ZVA vor vielen Jahren ein Zeitraum offizieller Art genannt wurde.

• Spätestens auf Grundlage der Allenbach-Untersuchung (schon) 2002 wurde diese Meinung jedoch revidiert !

• Der im ZVA-Report 07/2011 genannte Wiederbeschaffungsrythmus basiert ebenfalles auf ungesicherten Erkenntnissen (Sh. Schreiben im Downloadbereich.)

• Insofern kann eine Berufung auf diese Aussage infolge mangelnder Aktualität (und besserem Wissens seit langer Zeit) seriöserweise nicht mehr angeführt werden.



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